Hauswirtschaftsraum & Technikraum – Die stillen Helden im Hintergrund
Teil 8 unserer Reihe: Was ist in jedem Raum bei der Planung eines Neubaus zu beachten?
Sie sind keine Hingucker und oft im Grundriss nur eine Randnotiz – dabei sind der Hauswirtschaftsraum und der Technikraum elementare Räume für den funktionierenden Alltag im Neubau. Wer sie durchdacht plant, schafft Ordnung, vermeidet spätere Umbauten und gewinnt wertvollen Stauraum. Hier steckt der Schlüssel zu einem organisierten, nachhaltigen und effizienten Zuhause.
1. Hauswirtschaftsraum (HWR) – Mehr als nur Waschmaschine & Putzschrank
Der HWR ist die Zentrale für viele tägliche Abläufe – vom Wäschewaschen über das Lagern bis zum Verstauen von Putzutensilien. Gut geplant ersetzt er Keller, Vorratskammer, Wäscheständer-Ecke und Technikschrank in einem.
Was sollte ein moderner HWR können?
- Waschmaschine & Trockner aufnehmen – idealerweise nebeneinander oder übereinander
- Wäschepflege ermöglichen: Wäschesortierung, Trocknung (auch mit Leine oder Gestell), Bügelstation
- Reinigungsmittel & Geräte verstauen (Staubsauger, Besen, Putzeimer etc.)
Optional: Hausapotheke, Getränke, Vorräte, Katzenklo, Mülltrennung, Werkzeug, Bastelmaterialien
Tipp: Je besser der HWR organisiert ist, desto weniger muss man in Wohn- und Flurbereichen verstauen – das schafft Ruhe und Klarheit im restlichen Haus.
2. Größe & Position des HWR: Was ist sinnvoll?
Mindestgröße:
- 6–8 m² für die Grundfunktionen (Waschen, Lagern, Putzen)
- 10–12 m² oder mehr, wenn auch Vorratshaltung, Garderobe oder Technik integriert werden
Position im Haus:
- Nähe zur Küche oder zum Eingangsbereich: kurze Wege für Vorräte oder Müll
- An der Außenwand: für Fenster Lüftung und ggf. Außenzugang (praktisch für Mülltonnen)
- Nicht direkt neben dem Schlafzimmer: Geräuschentwicklung der Geräte beachten
3. Ausstattung & Stauraum: Alles hat seinen Platz
Ein HWR funktioniert nur gut, wenn er strukturiert und zugänglich geplant ist. Vermeide unnötige „Abstellkammer-Atmosphäre“, indem du frühzeitig mitdenkst:
Sinnvolle Ausstattung:
- Arbeitsplatte über Waschmaschine & Trockner
- Einbauschränke oder offene Regale für Putzmittel, Vorräte, Reinigungszubehör
- Wäschekörbe oder Sortiersysteme
- Ausziehbare Trockenstangen oder Deckenwäschetrockner
- Hakenleisten, Schubladenboxen, Halterungen für Geräte
- Wasseranschluss mit Bodenablauf (wichtig bei möglichen Leckagen)
- Steckdosen auf verschiedenen Höhen
Extra-Tipp: Wenn der Raum groß genug ist, kann auch ein kleiner Zweitkühlschrank oder Gefrierschrank integriert werden.
4. Technikraum – Das Herz des Hauses
Im Technikraum laufen die Fäden zusammen: Heizung, Lüftung, Wasser, Strom, Internet, Hausanschlüsse – alles braucht Platz, Zugänglichkeit und klare Struktur.
Typische Technikkomponenten:
- Wärmepumpe oder Heizkessel
- Warmwasserspeicher
- Lüftungsanlage (zentrale Wohnraumlüftung, falls vorhanden)
- Strom- und Sicherungskasten
- Netzwerktechnik, Smart-Home-Zentrale
- Wasserfilter, Wasserenthärtung
- ggf. Solartechnik (Wechselrichter, Speicher)
- Hausbatterie bei PV-Anlagen
Anforderungen an den Raum:
- Trocken & gut belüftet
- Ausreichende Raumhöhe für Wartung & Leitungsführung
- Bodenablauf & Fliesenboden als Schutz bei Wasserschäden
- Genügend Bewegungsfläche um Geräte herum (Wartung & Austausch)
- Strom- und Netzwerkdosen ausreichend dimensionieren
- Licht hell & flächig
Wichtig: Technikräume dürfen nicht zu klein sein – was auf dem Plan wie Platzersparnis aussieht, wird bei der ersten Wartung zum Problem.
5. Trennung oder Kombination von HWR & Technikraum?
Diese Frage hängt vom Grundriss, vom Platzangebot und von der Haustechnik ab.
Vorteile getrennt:
- Lärmtrennung: keine Heizungsgeräusche im Wäschebereich
- Bessere Struktur: Technik ist abgeschottet, Staubfrei für Lagerung
Vorteile kombiniert:
- Platzsparend
- Kosteneffizienter in der Haustechnikplanung
- Konzentration aller Nebenfunktionen in einem Raum
Empfehlung: Bei ausreichend Platz – trennen. In kleineren Häusern – clever kombinieren, z. B. mit Raumteilern, Techniknischen oder zweizeiliger Aufteilung.
Und mal ehrlich das Titelbild sieht zwar optisch sehr reizvoll aus, ABER in einem Haushalt mit Kindern, ohne Keller schaut der Hauswirtschaftsraum mit Technikraum wohl eher so aus:

6. Licht, Lüftung & Ergonomie
- Fenster im HWR sind Gold wert – für Lüftung & Tageslicht
- Technikraum braucht oft keine Fenster, aber eine gute Zwangsbelüftung (Abluft)
- Licht hell & schattenfrei – Decken- und Unterbauleuchten sind sinnvoll
- Steckdosen auf Hüfthöhe einplanen – auch für Bügeleisen, Akku-Ladegeräte oder Wäschetrockner
- Ausreichend Ablageflächen in ergonomischer Höhe erleichtern die Arbeit
7. Zukunftssicherheit & Nachhaltigkeit
Technikräume und HWRs sind auch Räume für Innovation und Nachhaltigkeit:
- PV-Anlagen und Batteriespeicher planen? Genügend Platz im Technikraum!
- Wasserenthärtung & -filtration? Gleich mit einbauen.
- Smart-Home-Zentrale oder Serverschrank? Netzwerkplanung berücksichtigen.
- E-Auto-Ladetechnik? Zuleitungen durch Technikraum führen.
- Regenwassernutzung? Steuerungseinheit gut zugänglich positionieren.
Fazit: Mehr als nur „Nebenräume“
Hauswirtschafts- und Technikräume sind die unsichtbare Infrastruktur des Hauses. Wer sie großzügig, durchdacht und zukunftsfähig plant, profitiert jeden Tag – durch mehr Ordnung, kürzere Wege und eine Technik, die reibungslos funktioniert. Diese Räume mögen unscheinbar sein – doch ihr Einfluss auf den Wohnkomfort ist riesig.